Zur Geschichte des LSW

Zur Geschichte des LSW-Spezialsport Deutschland e.V.

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Die Geschichte des LSW Spezialsportes ist eng mit dem Herborner Allroundwerfer Erwin Kollmar verbunden. Erwin Kollmar, Herausgeber einer Senioren Leichtathletik Zeitung, war schon als Schüler und Jugendlicher gezwungen zu improvisieren, da es in seinem Heimatort keine reinen Leichtathletikanlagen gab. So machte er aus einer Not eine Tugend, und das improvisieren machte nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Sportlern Freude. Auf einem kleinen "Spielplatz" lief man 50m mit Kurvenvorgabe (!), sprang Stabhoch in den Sandkasten und lief über selbstgebastelte Hürden.

Darüber hinaus verfolgte er schon in den späten fünfziger- und frühen sechziger Jahren die Szenerie der Weltleichtathletik, u.a. aus der ehemaligen UDSSR und aus den USA. Und hier reizte ihn besonders die Hallen Leichathletik im klassischen Madison Square Garden, wo u.a. 60 yards (54,86m), 1 Meile (1609,34m) gelaufen und auch Gewicht geworfen wurde. Und hierbei merkte er erstmals, daß ihm die exotische Leichtathletik gefiel, denn nach dem Motto, es macht keinen Spaß, jeden Tag das gleiche zu essen, sondern es sollte auch Abwechslung auf den Speiseplan gebracht werden, sprich Abwechslung bei den Wettbewerben geschaffen werden.

 


Anfang der siebziger Jahre veranstaltete er mit Sportfreunden in einer kleine Halle bereits einen hallenspezifischen "Zehnkampf" (!), der allen Beteiligten viel Freude bereitet hatte.

Einige Jahre später schrieb er auch in kleinen Hallen Mehrkämpfe aus und zwar Dreikampf (35m – Standweit – Kugel) und Fünfkampf (35m – Standweit – Kugel – Hoch – 35m Hürden).

Mitte der siebziger Jahren veranstaltete Erwin Kollmar, der immer schon einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hatte, auch Relativwerfertage mit den Wettbe-werben Kugelstoßen und Diskuswerfen. Hierbei wurde nicht nur die erzielte Leistung berücksichtigt, sondern auch noch das Körpergewicht und die Körpergröße des Athleten. Die einfache Kollmar’sche Formel zur Relativ Athletik lautete hierbei wie folgt :

Erzielte Leistung  x 100 Kg x 200 cm = Relativmeter (RM)
Körpergewicht  x  Körpergröße

Praktisches Beispiel Kugelstoßen :
Athlet A ist 75 Kg schwer, 1,75m groß und stößt die Kugel 12,00m weit.
Formel 12,00m x 100 Kg  x 200cm = 18,28 RM (Relativmeter) 75,0 Kg x 175cm

Ab etwa diesem Zeitpunkt veranstaltete er auch in Herborn die beliebten "Herrenwerfertage" für Jugend-, Männer- und Seniorenklassen mit den Wettbewerben Kugelstoßen, Diskuswerfen, Steinstoßen und Schleuderballwerfen. Daraus resultierte der "Herrenwerfervierkampf" (nach Kollmar) : Leichtathletischer Werferzweikampf (Kugel/Diskus) und "Deutscher" turnerischer Werferzweikampf (nach Kollmar) (Stein/Schleuderball – Steinstoßweite X 6,6 + Schleuderballwurf-weite). Bis zu 150 Teilnehmer beteiligten sich damals an diesen Werferspektakeln, für Werfertage ein ausgezeichnetes Ergebnis. Dieser Herrenwerfertag war quasi eine "RTL" Symbiose, denn hier wurden Wettbewerbe aus den Bereichen Rasenkraftsport (Steinstoßen), Turnen (Schleuderball), und Leichtathletik (Kugel, Diskus) eigentlich glücklich verbunden.

Seit 1986 erscheint auch die Senioren Leichtathletik Zeitung LSW (Laufen – Springen – Werfen) dessen Herausgeber Erwin Kollmar ist. Dank seiner Kreativität (man nennt ihn auch "El Kreativo" – E.K. für Erwin Kollmar) ging es danach Schlag auf Schlag weiter.

1988 wurde seine eigentlich größte Errungenschaft in Mühlheim/Main in die Tat umgesetzt : der LSW Werferzehnkampf. Bis zu 120 Athleten gingen hierbei an den Start dieses größten Werfer Mehrkampfspektakels. 1990 wurden in Mühlheim/Main erstmals Europa Meisterschaften im LSW Werferzehnkampf organisiert. Am Start waren Athleten aus Litauen, Estland, Lettland, Finnland, Niederlanden und Deutschland. In den Jahren danach kamen noch Athleten aus Großbritanien, Ungarn, Schweiz, Frankreich und Dänemark dazu.

Seit 1988/89 werden auch Wettbewerbe im LSW Shotorama (Deutsche Meisterschaften seit 1991) und LSW Stoßer Fünfkampf durchgeführt.

1989 wurden erstmals Wettbewerbe im LSW Läufer Dreikampf und im LSW Halbstundenlauf und LSW Halbstundengehen durchgeführt.

1990 hatten die Breitensportler erstmals die Gelegenheit das Europa Sportabzeichen (ESA)(nach Kollmar) zu absolvieren, das sich aus folgenden Übungen zusammen setzt : Sprint (50 – 75 – 100m) oder Meilenlauf (1609,34 m), Standweitsprung, Kugel-stoßen, Kegeln (10 Wurf in die Vollen), Tennisballweitschlagen, 200m Schwimmen und Fußballtorwandschießen.

Seit 1991 wurden die ersten Wettbewerbe im Kollmar’schen Eisenschleuderwerfen durchgeführt (Deutsche Meisterschaften gibt es seit 1992). Die Eisenschleuder, die mit Schleuderballwurf –Technik geworfen wird, hat den Vorteil daß sie völlig windun-abhängig ist, was ja beim Schleuderballwurf nicht immer der Fall ist. Einen Namen muß man hierbei unbedingt nennen, nämlich Paul Jung vom badischen TB Bad Krozingen. Eisenschleuderkönig Paul, der leider viel zu früh von uns gegangen ist, hat dieses prachtvolle Sportgerät eingentlich erst richtig populär gemacht und viele Weltrekorde dank seiner perfekten Drehtechnik (4 Drehungen!) aufgestellt. Paul Jung war auch schon vorher bekannt als Turner (Schleuderball), Rasenkraftsportler (Steinstoßen und Gewichtwerfen) und als Tauzieher (!) beim SV Kollmarsreute/ Baden. Wir LSW Spezialsportler haben Paul Jung sehr viel zu verdanken !

 


Seit 1991 haben Breitensportler auch die Möglichkeit das Welt-Sportabzeichen (WSA)(nach Kollmar) zu absolvieren. Dieser jährliche Volkszehnkampf besteht aus folgenden Übungen : Sprint (50-75-100m), Meilenlauf (1609,34m), Standweitsprung, Standhochsprung, Kugelstoßen, Tennisballweitschlagen, Fußballtorwandschießen, Kegeln (10 Wurf in die Vollen), 200m Schwimmen und Golfspielen (1 Loch Spiel aus 50m Entfernung).

Im Jahre 1993 stellte Erwin Kollmar zwei Neuheiten vor : LSW Schockorama und LSW Athletik Zweikampf (Kombinationswertung aus LSW Shotorama und LSW Schockorama). Außerdem führte er eine Uralt-Disziplin wieder ein : Diskus "Griechisch" (antiker Standwurf mit schwerer Scheibe). Seit 1994, bzw. 1996 werden in diesen Disziplinen auch Deutsche Meisterschaften durchgeführt.

Ein andere Uralt-Disziplin wurde schon Anfang der 90er Jahren auf Europäischen Boden wieder eingeführt : Das Historische Gewichtwerfen – Einst eine olympische Disziplin (1904 und 1920). Seit Mitte der 90er Jahre werden mit dem 25,4 Kg schweren und 41 cm langen Gerät ebenfalls Deutsche Meisterschaften angeboten.

Seit dieser Zeit werden auch Deutsche Meisterschaften im Kollmar’schen LSW Gewichtwurf Dreikampf angeboten. Diese Disziplin, Anfang der 90er entwickelt, freut sich besonders in Hammerwurfkreisen steigender Beliebtheit.

1995 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften im Tennisballweitschlagen statt. Diese Übung ist ideal für Speerwerfer, denn der Aufschlag beim Tennisballweitschlagen über den Kopf hat eine gewisse Verwandschaft mit dem Speerstandwurf.

Eine andere traditionelle, alte Disziplin wurde auch Mitte der 90er Jahre wieder von Erwin Kollmar eingeführt : Der Keulenwurf (Handgranatenweitwurf mit Speerwurf Technik). Hierbei muß ausdrücklich betont werden das bei der Ausführung dieser attraktiven Wurfdisziplin keinerlei militärische Absichten vorhanden sind, sondern einzig und allein das sportliche Ergebnis ! Seit einigen Jahren werden die deutsche Titelkämpfe in Villmar/Lahn unter der Federführung von Walter Haas durgeführt.

Seit 1996 sind auch die Kollmar’sche Disziplinen LSW Steinstoß Dreikampf und LSW Kugelstoß Dreikampf feste Bestandteile des LSW Spezialsportes. Im LSW Steinstoß Dreikampf werden seitdem auch Deutsche Meisterschaften ausgeführt.

Seit dieser Zeit bietet auch Jean-Marc Rheder (Frankreich / LAV Bad Lauterberg), ein unersetzlicher Mitstreiter von Erwin Kollmar, vermehrt Wettkämpfe im LSW Eisenschleuder Dreikampf (nach Rheder) an.

Seit 1996 werden auch vermehrt LSW Spezialsport Disziplinen bei den Welt- und Europa Meisterschaften des WTC (Worl Throwers Club) angeboten. Der erste große "Motor" des WTC war übrigens der ehemalige Präsident, Magister Georg Glöckner aus dem Burgenland / Österreich, der in Oberwart /Österreich und Tata / Ungarn unvergeßliche internationale Titelkämpfe durchgeführt hatte, bei den u.a. auch immer Sportler aus Übersee (Australien, Südafrika) am Start waren. Seitdem werden auch freundschaftliche Verbindungen mit dem British Throwers Club (BTC) gepflegt. Präsident des BTC ist der begeisterte Hammer- und Werfermehrkämpfer Hugh Richardson, der auch Vizepräsident des WTC ist.

 


Im Jahre 1997 wurde auch etwas für die Speerwerfer getan, denn es wurde der Wettbewerb LSW Speerorama (nach Kollmar) eingeführt.

1997 war überhaupt ein wichtiges Jahr für den LSW Spezialsport, denn im Herbst wurde im hessischen Herborn die IG (Interessengemeinschaft) LSW Spezialsport gegründet. Dort wurde auch einen Vorstand gewählt.

Ziel der IG LSW Spezialsport ist u.a. die Interessen der Spezialsportarten zu fördern, den Spezialsport zu pflegen und neue Freunde für diese schöne neuen- und alten, fast vergessenen Sportarten zu gewinnen. LSW Spezialsport ist eine "Sportdelikatesse" besonderer Art, die einmalig ist !

Seit 1998 bietet die IG LSW Spezialsport auch noch folgende Wettbewerbe an : Steinstoßen international, Ultra Steinstoßen, LSW Strongest (Athletic) man, (nach Kollmar – Super Heavy Weight Triathlon) und LSW "Moderner Zehnkampf" (nach Kollmar – Weltsportabzeichen nach Punkten).

Seit 1998 ist die IG LSW Spezialsport auch noch freundschaftlich mit dem ISTF (International Stoneput and Thrower Federation) verbunden. Der Präsident des ISTF ist der Schweizer Rekordhalter im Diskuswerfen, Christian Erb aus Rüdlingen.

Christian Erb und der ISTF organisieren seit 1998 jährlich auch die Weltmeisterschaften im historischen Gewichtwerfen (25,4 Kg) und im Ultra Steinstoßen (50 Kg). Mehr als 2000 Zuschauer verfolgen immer mit sehr großem Interesse diese Titelkämpfe in Rüdlingen / Schweiz.

Seit Ende 1999 werden auch schon vereinzelt Ultra Wurfdisziplinen (nach Kollmar) im weiblichen Bereich in Deutschland durchgeführt.

Aber auch in den Laufdisziplinen und in den Sprungdisziplinen bietet die IG LSW Spezialsport Athletinnen und Athleten interessanten Wettbewerbe an (Siehe bei Angebot an Disziplinen und aktuelle Rekordlisten).

Es ist ohne weiteres möglich, daß in Zukunft noch neue Wettbewerbe hinzukommen, Uralt Wettbewerbe wieder aufgenommen werden und auch Disziplinen wieder gestrichen werden. Alle LSW Spezialsport Disziplinen werden statistisch erfaßt und in einer jährlichen Bestenliste in Buchform herausgegeben (siehe Literatur).

 


Nachruf:

Erwin KOLLMAR (* 1946 - † 2003)

Er hatte noch soviel vor, doch der Tod kam schneller. Einen Tag vor den Europa- und Deutschen Meisterschaften im Ultrasteinstoßen, Eisenschleuderwerfen und Diskus "Griechisch" in Ilbesheim, hat er uns auf tragischer Weise verlassen.

Die große Familie der Senioren-Leichtathletik und des LSW Spezialsports hat ihre Leitfigur verloren.

Erwin Kollmar, Herausgeber der Senioren-Leichtathletik Zeitschrift LSW, Erfinder des LSW Spezialsportes, Präsident des WTC (World Thrower’s Club) und Ehrenvorsitzender der IG LSW Spezialsport Deutschland war eine herausragende Persönlichkeit. Er war Jedermanns Freund, hatte immer tröstende oder lobende Worte für Jeden von uns. Durch seine Kreativität und sein unermüdliches Engagement was die Senioren-Leichtathletik betrifft, hat er viele "Todgesagte" wieder zum gehen, oder besser gesagt, zum werfen gebracht. Seine Spezialsport-Kreationen reichen inzwischen weit über die Deutschen Grenzen. Und wenn auch einige über seine "Erfindungen" lächeln, sollten sie doch nicht vergessen dass diese Kreationen eines bewirkt haben : Sie haben viele "Nicht-Sportler" in die Stadien gelockt um es auch mal zu probieren. Turnvater Jahn hat es damals auch nicht anders gemacht !

Doch Erwin war nicht nur ein begeisterter "Sport-Erfinder". Seine zweite Passion galt den gotischen Gebäuden, vor allem Kirchen und Klöster. Stundenlang konnte er mir von seinen Reisen durch Frankreich berichten. Die Abtei von Cluny, seine "obligatorische Haltestelle", wie er immer sagte, kenne ich inzwischen in- und auswendig, obwohl ich noch nie da war !

Diese lange Telefonate werde ich sehr vermissen. Nicht selten tranken wir einen guten Französischen Rotwein dazu, er meistens ein "Corbières", ich, am anderen Ende, einen "Côtes du Rhône", und nicht selten gingen unsere Gespräche bis weit nach Mitternacht, auch wenn ich mal früh raus musste. Man konnte Erwin einfach nicht böse sein wenn er mal kurz vor Mitternacht anrief nur um etwas zu plaudern !

Die große Familie der Seniorensportler und der LSW Spezialsportler wird ihn in Zukunft sehr vermissen. Aus dem Hintergrund wird leider nie wieder ein "Olympisch" ertönen.

Wir, das Team der IG LSW Spezialsport Deutschland, werden sein Lebenswerk weiterführen, es wird, ohne seinen Rat, zwar sehr schwer, aber das sind wir ihm schuldig.

Erwin, im Geiste wirst Du immer bei uns sein !

Jean-Marc Rheder
1. Vorsitzender der IG LSW Spezialsport Deutschland.

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